Geplante Obsoleszenz und warum ich meinen Drucker nicht wegwerfe

Schranken vor einem Bahnübergang besitzen Sollbruchstellen. Fährst Du mit dem Auto gegen eine Schranke, dann bricht sie an diesem Punkt durch oder knickt ab. Sie ist absichtlich so gebaut worden, denn würde sie dem Auto standhalten, bestünde die Gefahr, den Fahrer schwerer zu verletzen, sollte die Schranke durch die Windschutzscheibe tief ins Fahrzeuginnere eindringen. Offenbar kann es von Vorteil sein, Produkte punktuell schwächer zu konstruieren. Wichtig dabei ist, dass es einen gewichtigen Grund dafür gibt, wie etwa die Sicherheit des Verwenders.

Zumindest aus der Sicht des Herstellers ergibt sich eine potentiell wertvolle Überlegung, die die Idee von Sollbruchstellen zweckentfremdet: Geplante Obsoleszenz.

Angenommen es wird ein Produkt hergestellt, das sich gut verkauft und der Hersteller macht damit große Gewinne. Irgendwann ist der Markt gesättigt und der Absatz schläft ein. Um dem vorzubeugen, entwirft der Hersteller das Produkt nun derart, dass es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nach einer gewissen Zeitspanne kaputt geht. Die Nachfrage bleibt erhalten, sofern die Kunden bereit sind, das Produkt erneut zu kaufen. Dieses Vorgehen seitens der Hersteller ist natürlich unmoralisch bis illegal. Gleichzeitig funktioniert der Kniff nur dann, wenn man eine Monopolstellung innehat, andernfalls geht man das Risiko ein, die Kunden an Konkurrenzprodukte zu verlieren.

Ein oft genanntes Beispiel der Vertriebsstrategie, die sich auf geplante Obsoleszenz stützt, ist die Glühbirne. 1924 schlossen sich große Produzenten zum Phoebus Kartell zusammen und handelten die Lebensdauer von Glühlampen untereinander aus. Bisher konnte dem Kartell keine rein gewinnorientierte Intention nachgewiesen werden, denn eine Glühlampe mit geringerer Lebensdauer emittiert, im Vergleich zu einer langlebigeren, mehr Licht beim selben Stromverbrauch, womit sich auch ein Nutzen für den Kunden ergibt, dessen Stromrechnung schrumpft.

Aber gibt es heute tatsächlich Unternehmen, die in ihre Produkte nachweislich technisch unnötige Schwachstellen einsetzen? Nach einem Gutachten von 2013 für Bündnis 90/Die Grünen geben die Deutschen im Schnitt 101Mrd.€ zu viel aus, weil bereits gekaufte Produkte schnell und geplant den Geist aufgeben. Stiftung Warentest konnte dagegen den Herstellern keine geplante Obsoleszenz nachweisen, bemängelt jedoch die mindere Qualität einiger getesteter Waren. Es scheint schwer zu sein, einen bösen Vorsatz in Bezug auf suboptimale Konstruktion eindeutig zu beweisen.

Ein Gedanke, der zumindest in ähnliche Richtung führt, ist folgender: Setzte ich in mein Produkt Komponenten ein, die eine unvermeidbar beschränkte Lebensdauer besitzen, oder deren Leistung mit der Zeit abnimmt, und verbaue sie auf eine Weise, die den Austausch erschwert, erziele ich ein vergleichbares Ergebnis, wie mit geplanter Obsoleszenz. Bestes Beispiel dafür sind Akkus in Smartphones. Besonders die neusten iPhones sind schwer zu öffnen und eine Reparatur, oder einen Austausch vom Akku selbst durchzuführen, dürften sich viele Kunden nicht zutrauen. Die erste, wenngleich schlechte Alternative neu kaufen.

Mein Drucker und ich

In Anbetracht heutiger Produktzyklen hielt vor sehr, sehr langer Zeit, der letzte neue Drucker Einzug in meinen Haushalt. Der DCP-135 von Brother kann drucken, scannen und fertig. Ein USB Kabel, keine WLAN- oder LAN- Schnittstelle, noch nie was vom AirPrint-Protokoll gehört und eigentlich unerreichbar für Smartphones und Tablets. Gekoppelt an einen Router oder wie derzeit; an eine Synology, sind drahtlose Kompetenzen dadurch nachgerüstet.

Aber ganz leugnen kann ich es nicht: Ich liebäugle sehr mit dem MFC-J5320DW, denn er bedruckt bis zum A3-Format so ziemlich alles und besitzt neben einer Scannerplatte auch einen Einzugsscanner, der sich wahnsinnig gut für umfangreiche Mitschriften aus der Uni eignen würde. Blatt für Blatt zieht sich die Digitalisierung zeitlich doch schwer in die Länge. Außerdem druckt er direkt aus und scannt in die Cloud. Aber trotzdem:

Das zuletzt bestellte Paket No-Name-Patronen (acht schwarze und vier je Farbe), das nur 25€ kostete, entflammte die Liebe zu meinem alten Gerät erneut. Die billigen Patronen funktionieren genauso gut und halten so lange durch, dass ich mittlerweile glaube, für das Papier mehr zu bezahlen, als für die Tinte darauf.

Wenn ich bloß an die Arien denke, die Bekannte, Freunde und Familie mit ihren Druckern erleben, weiß ich meine alte Dampfmaschine gleich richtig zu schätzen.

Sie brauchen unendlich teure Patronen mit Chips, die sie unbrauchbar machen, obwohl ein erkennbarer und nicht unerheblicher Rest Tinte noch in der Patrone dümpelt. Und natürlich die Zähler in den Druckköpfen. Wer kam bloß auf eine so perfide Idee?

Dieser Zähler zählt die gedruckten Seiten und sobald eine vom Hersteller festgesetzte Grenze überschritten ist, empfiehlt dieser Mechanismus die Wartung oder den Austausch des Druckkopfes. Diese Empfehlung macht sich bemerkbar, indem der Drucker einfach nicht mehr druckt. In vielen Fällen gestaltet sich die Ursachenforschung schwierig, der Nutzer wird nicht, nur flüchtig, oder missverständlich über die Ursache in Kenntnis gesetzt und verharrt in ratlosem Unmut. Selbst mit der Hilfe von Google ist die Ursache schwer auszumachen, denn es gibt eine farbenfrohe Palette an Problemen mit Druckern, sodass die für diese Situation nötige Antwort einer Nadel im Heuhaufen gleicht. Die erste Begegnung mit einem, sich selbst sabotierenden Druckkopf hatte ich bei meinem sehr netten Nachbarn. Nach zwei geschlagenen Stunden gelang es mir den Zähler zurückzusetzen. Der Drucker darf nun bis zum nächsten Erreichen des tödlichen Zählerstandes weiterleben. Wie absurd.

Und solange ich billig drucken kann, bleibe ich bei dem Altgerät.

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