meinungsmanipulation auf sozialan Plattformen

Meinungsmanipulation in sozialen Medien

Große Fragen wie die zur zukünftigen Flüchtlingspolitik spalten das Land. Altbekannte Parteien haben darüber Boden an den neuen rechten Flügel verloren und allein daran kann sich halb Deutschland so richtig aufreiben.

Der Kampf gegen die Ursachen der Flucht ist uninteressant geworden. Wir ärgern uns lieber über jeden, der uns widerspricht. Gekämpft wird um und mit Meinungen. Wie schmutzig dieser Kampf geworden ist, wird jedem klar, der fünf Minuten in den Kommentarspalten von Nachrichtenseiten wie der FAZ, der Welt oder dem Spiegel verbracht hat. Es ist zum davonlaufen.
Dieses Gefühl haben scheinbar viele und im Ergebnis sieht man eine Minderheit schreien und die Mehrheit schweigen. Was soll alternativen Fakten und irrationalen Ängsten schon groß entgegenzubringen sein? Lass sie doch nörgeln. Schön ist was anderes, aber ich finde, das muss unsere Gesellschaft aushalten können.

Was mir mehr gegen den Strich geht, als langweilige Pöbeleien, sind die Versuche, Meinungen zu manipulieren. Das was die Filterblasen auf Facebook und Co. so toll hinbekommen, wird sich auch als Einzelpersonen zum Ziel gesetzt.

Die Vorgehensweise ist leider furchtbar einfach: So viel und oft wie möglich zum eigenen Standpunkt kohärente Postings in die Welt setzen und auf große Resonanz hoffen.

Lügen macht die Sache ebenfalls leichter, denn etwas Spannendes zu herauszufinden ist schwerer, als sich etwas Spannendes auszudenken. Deshalb verbreiten sich diese Fake News so prima. Was auf der Strecke bleibt - und ich hasse diese Phrase - ist die Wahrheit.

Der Mensch dahinter

In diesem Teil soll es nicht um die allseits beliebten SocialBots gehen, die automatisch im Sinne der Eigentümer mit Inhalten interagieren oder selbst welche erstellen. Um die Bots kümmern wir uns das nächste Mal. Heute geht es um Accounts mit echten Menschen dahinter, die Hetze verbreiten, Stimmung machen und das in einem beachtlichen Tempo. Außerdem sehen wir uns die Taktiken der wannabe Meinungsmacher an.

Der augenscheinlichste Unterschied zwischen echten Menschen und den Bots auf Twitter liegt in der Komplexität der Postings. Ein Bot retweetet, liked und setzt gleichförmige Botschaften ab. Sicherlich sind die bereits recht fortschrittlich, aber zum Beispiel den Link zu einem Artikel zu teilen, ihn mit passenden Hashtags zu versehen und auf den Inhalt Bezug zu nehmen – das dürften nur die wenigsten Bots schaffen.
Ein paar Accounts, die genau das tun und hinter denen ich echte Menschen vermute, habe ich in einer Twitter-Liste gesammelt und für ein paar Tage beobachtet.

Die Tweets

Eine der einfacheren Interaktionen, die man einem Bot beibringen kann, ist der Retweet. Ihn eigene Inhalte zusammenstellen zu lassen ist schwieriger. Daher sind die meisten Bots, denen dur auf Twitter begegnest, Retweeter. Der Eigentümer kann dann aber manuell mit dem vom Bot gesteuerten Account twittern. Und das ist eine schön Kombination, weil die Arbeitsteilung so gut klappt:
Der Bot ist reichlich aktiv und zieht Aufmerksamkeit – etwa in Form von Followern – auf sich und der Mensch nimmt sich diese als Basis für seine eigenen Postings. So belanglos und gleichförmig ein Bot auch agiert, es wird immer jemanden geben, der ihm folgt. Beweisstück A.

Neben diesem Hybriden gibt es ebenfalls Nutzer, die ganz alleine handeln und stets und ständig neue Tweets absetzen. Gerne kommen da 50 Tweets am Tag und mehr zusammen.

Wir machen an dieser Stelle mal eine ganz stümperhafte Rechnung und nehmen an, die Tweets sind im Schnitt 100 Zeichen lang. Das macht bei einer durchschnittlichen Wortlänge in der deutschen Sprache von rund 10 Buchstaben auch genau 10 Wörter pro Tweet. Demnach schreibt so ein Nutzer bis zu 500 Wörter pro Tag. Wir sind an dieser Stelle erst bei knapp 600 Wörtern angekommen. Ist also eine ganze Menge Arbeit. Doch sie zahlt sich aus...

Leisere Nutzer von der anderen Seite des Meinungsspektrums werden schlichtweg übertönt. Jemand, der neu bei Twitter ist könnte glauben, dass das hier die vorherrschende Meinung der meisten ist – läge damit aber falsch. Jeder, der in seiner Meinung noch nicht so gefestigt ist, wird von den vielen Postings vielleicht dazu verleitet, in eine bestimmte Richtung zu denken. Sich einer vorherrschenden Meinung anzuschließen ist leichter, als dagegenzuhalten. Wer würde nicht lieber auf der Gewinnerseite stehen?

Meinungsmanipulation

Wer in dem Sinne dieses Wortes erfolgreich sein will, hat sicher schon erkannt, dass die Menge absolut entscheidend ist. Je mehr Tweets, desto besser. Der wichtigste Faktor ist letztendlich die Anzahl der Impressionen. Bei dem obigen Beispiel haben wir mit 50 Tweets pro Tag gerechnet. Nehmen wir mal an, jeder dieser Tweets erzielt 25 Impressionen. Das bedeutet, 25 Menschen haben ihn auf Ihrem Display gesehen. Nicht alle haben ihn gelesen, aber er hat sie zumindest erreicht. Bei 50 Tweets am Tag sind das 1.250 Impressionen und damit 456.250 Impressionen im Jahr. Das hat definitiv einen manipulativen Effekt. Und die 25 Impressionen je Tweet sind eine eher pessimistische Schätzung.

Jeder Nutzer kann so knapp eine halbe Million Menschen pro jahr erreichen. Allein über Twitter. Ohne dazu besondere Fähigkeiten zu besitzen, das Haus zu verlassen, oder Geld dafür zu bezahlen. Eine starke Überzeugung und Durchhaltevermögen vorausgesetzt, steht der Propagandamaschine Marke Eigenbau nichts mehr im Wege. Juhu!

Trick 17

Jetzt geht es daran, diese Maschine gut zu behandeln und mit ein paar Extras auszustatten. Beispielsweise mit einem Bot, der parallel zu den eigenen Aktivitäten bei der Verbreitung hilft.


Natürlich büßt der Account dadurch womöglich an Glaubwürdigkeit ein, was in diesen Gefilden aber wohl kein allzu großes Problem darstellt. #AlternativeFacts

Neben dieser Taktik gibt es noch eine weitere, die auf der Verknüpfung von Accounts beruht. Angenommen der Besitzer unseres exemplarischen Accounts investiert einen erheblichen Teil seiner Tagesfreizeit ins Verfassen von Tweets. Dann wäre es doch clever, die gesendeten Tweets von einem anderen Account aus zu retweeten. Damit hat der Tweet eine größere Chance unter den Top-Tweets zu landen und wird dort von noch mehr Nutzern gesehen. Das erhöht die Chance auf natürliche Interaktionen und die Anzahl der Impressionen steigt weiter. Dazu wirken Tweets mit vielen Likes und Retweets gleich viel wertvoller.
Gerade in Deutschland ist es aber nicht so leicht, auf natürlichem Wege an Likes und Retweets zu kommen. Nutzer anderer Nationen sind da freigiebiger. Aber das macht eigentlich nichts, denn warum nicht gleich mehrere Accounts erstellen und damit die eigenen Tweets liken? Das geht nämlich ganz einfach. Mit gleich mehreren Retweets ausgestattete Postings können dazu eine beachtliche Menge Impressionen sammeln.

Prototyp

Eine profitable Konstellation bestünde aus einem Haupt-Account (den ein Mensch bedient) und vielen weiteren, die auch Bots sein können, denn sie müssen nur die Tweets des Haupt-Accounts liken und retweeten.

Auf den ersten Blick wirkt dieser erste Account sehr erfolgreich. Wer guckt sich schon die Liste der Retweeter zu jedem Tweet an und vergleicht sie mit denen anderer Tweets des selben Accounts? Doch nur so würde man erfahren, ob es immer die gleichen Pappenheimer sind, die für die Retweets sorgen.

Das habe ich heute versucht und einige Accounts gefunden, die doch sehr verdächtig aussehen. Zum Beispiel setzt @BonkeKolja wahnsinnig viele Tweets ab, die regelmäßig von denselben Accounts retweetet werden. Und mit regelmäßig meine ich, dass diese Accounts ab und an fünf Retweets und mehr alle zwei Stunden leisten.

Interessant ist, dass die Retweeter selbst keine Tweets absetzen, sondern stets nur retweeten. Und das mit hoher Frequenz. Noch interessanter ist, dass die Retweeter von @BonkeKolja neben seinen Tweets auch die Tweets bestimmter anderer Accounts retweeten. Accounts, die Bonke retweeten, tun das oft auch mit Postings von @XYEinzelfall, die Inhaltlich in eine ähnliche Richtung gehen.

Darstellung eines Retweet-Netzwerks

In dieser Grafik sind fünf Accounts festgehalten, die in jüngster Vergangenheit häufig Inhalte von Bonke retweetet haben. Sieht man sich an, wenn diese Accounts noch retweeten, dann wird bereits bei der Betrachtung von nur fünf Accounts ein kleines Netzwerk erkennbar. In dem finden sich auch Accounts wie @AfDBerlin wieder.

Mein Aluhut ist gerade in der Reinigung, deshalb will ich hier nicht zu viel spekulieren. Eine gewisse Auffälligkeit ist trotzdem nicht von der Hand zu weisen. Besonders die eifrigen Retweeter ohne eigene Tweets sehen verdammt nach Bots aus. Was und wen diese wiederum teilen – und zwar mit beeindruckender Schlagzahl – deckt sich in einigen Fällen nur zu gut.

Kommentare

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Börnd

Mach das doch auch mal bei Don Alphonso. Da sind jede Menge Bots etc im Spiel. Er hatte letztes Jahr bei den Followern mal einen heftigen Sprung von 4.000 auf 10.000. Seit dem gibt es RT wie blöd.

diepartyhannoverost

ihr überschätzt den einfluß der medien maßlos. niemand gaubt etwas, das er nicht glauben will. auch dann nicht, wenn staatssicherheitsminister Maas es anordnet.

Brandt

Ist auf facebook noch viel krasser. Hier ne ganz spannende Doku über gefakte Klicks: https://www.youtube.com/watch?v=gMEmCZ_u12E

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